Das Thema „Zuverlässigkeit bei Anfänger- und Hobbymodels“ ist ein Thema, in dem es nach meiner bisherigen Erfahrung wie in keinem anderen Teilbereich der Model-Fotografie Licht und Schatten gibt.

Im Leben eines Einsteiger- oder Hobby-Models muss sich wirklich nicht immer 24 Stunden und 7 Tage in der Woche alles nur um die Fotografie drehen, aber man darf als Fotograf schon erwarten, dass das Model in der Lage ist durch ihr anhaltendes Interesse und ihren Lebenswandel Fotoshooting-Vorhaben zeitnah umzusetzen und Termine verbindlich wahrzunehmen.

Und so gibt es die ganz wenigen wirklich guten Models, die mit einer schon professionellen und gerade zu berufsmäßigen Zuverlässigkeit immer pünktlich und top-vorbereitet für das Shooting parat stehen, auf deren Absprachen und Zusagen sich der Fotograf verlassen kann und die selbst bei einer Absage frühzeitig bescheid geben (denn es ist normal, dass auch mal was ungeplant dazwischen kommt) und zuverlässig sind wenn es um die zeitnahe Regelung eines Ersatztermines geht. Das sind für mich die Lichtgestalten, die mir persönlich auch immer wieder den Spaß an der Arbeit mit Einsteigern und Hobby-Models zurückbringen.

Tja… und dann… dann gibt es da noch die anderen „Models„…

1. …die meinen, es wäre förderlich wenn sie den Fotografen regelmäßig ohne Reaktion tagelang auf die Beantwortung einer Nachricht warten lassen und sich dann wundern, dass der Fotograf irgendwann kein Interesse mehr hat ein Shooting auf diese Weise abzusprechen.

2. …die meinen, es würde den Fotografen sicher ausreichend vertrösten, wenn er jedes Mal lesen darf: „Tschuldige, ich hab deine Nachricht nicht gesehen“ oder „Ich hatte soviel Stress“ (und konnte keine 20 Sekunden in 2 Tagen für eine Antwort aufbringen, obwohl ich in der Zeit 10 Posts in Instagram und 5 Stories hochgeladen habe???) oder die Allerweltsantwort: „Irgendwie spinnt mein Handy“ bringen (denn diese Antwort hat der Fotograf schon so oft gehört, dass er inzwischen denkt, dass von den Millionen in Benutzung befindlichen Handys sein Handy wohl das einzige sein muss, das noch funktioniert).

3. …die meinen, heute einen Shooting-Termin vereinbaren zu müssen, für den sie dann morgen schon nicht mehr so viel Interesse zeigen und ihn dann drei Tage später wieder absagen.

4. …die meinen, einen Shooting-Termin mit vorgeblicher medizinischer Begründung (Krankheit, Quarantäne, Todesfall) absagen zu müssen, die aber keine paar Tage später (oder sogar am gleichen Wochenende noch) schon wieder in den Sozialen Netzwerken Bilder und Videos in Feeds und Statusmeldungen posten (oder darin verlinkt sind), die zeigen, wie sie gerade ganz spaßig am feiern sind oder sind schon wieder neuen Unternehmungen / Ausflügen / Projekten in der Weltgeschichte hingeben, ohne wenigstens erstmal die bereits vereinbarten Dinge einzuhalten.

5. …die meinen, es wäre eine tolle Idee mit dem Fotografen ein Foto-Shooting abzusprechen und sich dann, nachdem der Fotograf sein OK (auch auf Basis der Optik des Models) gegeben hat, optisch total und verändern z.B. indem sie sich einfach mal die hüftlangen Haare auf schulterlang kürzen lassen oder auf andere (nicht so schnell rückgängig zu machende Weise) ihre Optik so verändern, dass sie mit der Ausgangslage nicht mehr vergleichbar ist.

6. …die meinen, sich unmittelbar vor einem Shooting noch unbedingt einer nicht medizinisch notwendigen Behandlung hingeben müssen, die dann bis zum Shooting-Tag nicht restlos verheilt ist (Tattoos, Brandings usw).

7. …die meinen, es wäre keine Erwähnung wert und es wäre in seinen Folgen auch vorher nicht absehbar gewesen, dass das Model zwei Tage vor dem Shooting einen Termin beim Zahnarzt hat um sich alle Weisheitszähne entfernen zu lassen und das Model somit „überraschend“ am Shooting-Tag nicht fit ist.

8. …die meinen, einen Shooting-Termin vereinbaren zu wollen, obwohl sie anhand ihres Lebenswandels gar nicht in der Lage sind den Termin pünktlich, stressfrei und in gebührender Länge wahrzunehmen z.B. während einer Trennung mit viel Stress, während eines Umzugs oder während einer Bewerbungsphase (zuletzt zum Beispiel einen Shooting-Termin „gegen Mittag in Hamm“, wenn sie aber den Tag über ein Bewerbungsgespräch in Essen haben und erst ab 17 Uhr frühestens Zeit finden).

9. …die meinen, erst einen Termin absagen zu müssen mit der Zusage sich zu melden sobald das Terminhindernis vorbei ist und sich dann aber nicht mehr melden sondern lustig Fotos von anderen Unternehmungen posten und den Fotografen mit dem Projektvorhaben (für das er dieses spezielle Model geplant hat) in der Luft hängen lassen.

10. …die meinen, es wäre irgendwie zielführend, wenn man zwar über Monate immer wieder den Fotografen anschreibt um über ein diffuses Shooting-Vorhaben zu sprechen (sehr oft dann, wenn man gerade Einen durchgezogen oder sich ein Glas gegönnt hat), sich dann aber, wenn es um einen konkreten und zeitnahen Termin geht, auf den Termin-Stress im Leben verweisen oder sich einfach nicht mehr melden.

11. …die meinen, „Themen- und Terminhopping“ wäre irgendwie professionell, indem sie erst ausführlich über ein Dessousshooting sprechen, sich dann wochenlang nicht mehr melden und dann (weil sie es im TV gesehen haben) über ein Shooting im Lost Places oder im Wald, sich dann wochenlang nicht mehr melden und sich dann wieder melden wegen eines Shootings in einer Badewanne voller Milch, sich dann aber wochenlang nicht mehr melden….

Ihr denkt, das sind Einzelfälle? Weit gefehlt! Alle hier beschriebenen Unarten habe ich in den ganzen Jahren seit ich fotografiere jeweils zig-fach persönlich erlebt und jedes dieser „Models“ denkt vermutlich, es wäre das einzige „Model“ das so handelt und daher würde das nicht großartig auffallen. Tatsächlich nimmt das einem Fotografen in der Häufigkeit dann irgendwann die Lust sich noch mit Einsteigern zu befassen. Dabei bin ich mir bewusst, dass mit solchen Unarten im gewissen Umfang zu rechnen ist, wenn man mit Anfängerinnen und Einsteigerinnen arbeitet – denn professionelle Models verhalten sich tatsächlich nicht so (und falls doch, sind sie nicht lange professionelle Models). Dennoch erwarte ich auch von jeder Anfängerin, wenn sie wirkliches Interesse an einem Shooting hat, ein zumutbares Mindestmaß an Kommunikations-, Sozial- und Kooperationskompetenz, das keine solche Verhaltensweisen wie hier beschrieben beinhaltet.

Deshalb, kurz und gut… all diesen Kandidaten (ich nenne sie nun bewusst „Models“ in Anführungszeichen) gebe ich folgenden Rat:
Wenn ihr Aufmerksamkeit und Zuwendung oder das Gefühl gehypted zu werden benötigt, dann wendet euch mit euren Bedürfnissen doch bitte an eure Partner, eure guten Freunde, eure Familien, eure Fans & Follower oder geht in eine Chatgruppe. Bitte stehlt mit solchen Aktionen aber nicht die Zeit des Fotografen oder (noch schlimmer:) blockiert mit Terminen, die ihr ohnehin nicht ernsthaft verfolgt, die Zeitfenster für die Models, die mit weitaus größerer Ernsthaftigkeit an dem Thema dran sind als ihr.

Danke.

P.S. Um mir in den o.g. Fällen bei Absagen meinerseits zukünftig und oft diverse Schreibarbeit zu ersparen, verlinke ich dann auf diesen Artikel, denn genau dafür habe ich ihn verfasst.