Für alle Einsteigermodels und Interessierte, aber auch speziell für Erziehungsberechtigte habe ich hier ein paar Tipps zusammengestellt, wie man als (noch unerfahrenes) Model beachten sollte.

Bei Kontaktaufnahme mit/durch Fotografen

Jeder Fotograf fängt mal bei Null an, aber eine Homepage oder wenigstens ein Profil in einer öffentlichen Galerie (Flickr, Fotocommunity, Tumblr, Pinterest, Instagram) hat ein Fotograf auch ganz am Anfang schon. Solche Portfolios sind wichtig für dich, um zu sehen, was der Fotograf bisher bewerkstelligt hat. Wenn der Fotograf meint, bereits einige Erfahrung in dem Thema zu haben (dass er mit dir shooten will) oder wenn er behauptet, er wäre schon seit Jahren professionell dabei, wird er dazu auch schon Werke in seinem Portfolio ausgestellt haben. Schau dir deshalb die bisherigen Fotos dieses Fotografen an, ob dir die Bilder überhaupt gefallen oder ob der Fotograf in Stil, Ausdruck und Können eher doch nicht dein Fall ist… denn wenn er andere Models so fotografiert hat, wird er dich wohl auch so fotografieren.

Ein Fotografen-Auftritt im Internet ohne Impressum (auch auf der Facebook-Fanpage) ist absolut NICHT professionell. Ein seriöser Fotograf wird es dir auch nicht verweigern seine Daten zu geben.

Minderjährige und Fotografen

Minderjährige müssen im Umgang mit Fotografen besondere Vorsicht walten lassen, denn sie sind meist noch unerfahren und lassen sich schneller von falschen Versprechungen blenden bzw. wissen nicht immer, worauf sie sich in letzter Konsequenz einlassen.

Wenn Du als Minderjährige(r) Kontakt mit Fotografen hast, beziehe deine Eltern immer aktiv mit ein. Informiere sie über die Gespräche und natürlich sofort auch dann, wenn dir irgendwas komisch vorkommt (z.B. wenn der Fotograf zu private Fragen stellt oder dir sonst irgendwie im Gespräch zu nahe kommt). Vor allem lasse den Fotografen auf jeden Fall wissen, dass deine Eltern deine Gespräche mit ihm ebenfalls lesen oder Du ihnen zumindest davon erzählst.

Meinungen lesen oder frühere Models fragen

In einigen großen Online-Portalen können sich Shooting-Partner nach einem Shooting gegenseitig beurteilen (ähnlich wie Verkäufer/Käufer bei Ebay). Frage deinen Fotografen danach, ob er in großen Model/Fotografen-Portalen angemeldet ist. Dort kannst Du in den Bewertungen dann auch viel über die Zuverlässigkeit und Seriosität deines Fotografen erfahren. Manche Fotografen haben solche Model-Meinungen auch auf der eigenen Webseite eingebaut, so wie ich. Außerdem sind oft Models auf Bildern (z.B. in Facebook oder Instagram) verlinkt und das kann man nutzen um einfach mal das Model anzuschreiben und nach ihrer Erfahrung mit dem Fotograf zu fragen.

Sei dir aber bewusst, dass auch Models nur Menschen sind, die sich auch mal ungerecht behandelt fühlen und/oder schädigende Absichten verfolgen können. Wenn bei einem Fotografen mal eine einzelne nicht so tolle Bewertung dabei sein sollte, muss das nicht gleich etwas bedeuten. Es geht um das Gesamtbild aller Bewertungen, auf das Du achten solltest.

Weitere Nachweise

Ein selbständiger Berufsfotograf, muss er auch eine Gewerbeanmeldung besitzen oder z.B. eine Gewerbekarte, die er vorzeigen kann. Außerdem kann man bei den IHK oder der Handwerkskammer auch anrufen oder online nachschauen, ob eine entsprechende Eintragung vorhanden ist.

Zudem besteht die Möglichkeit, dass der Fotograf  z.B. ein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen könnte. Sowas hat man als „normaler“ Mensch natürlich nicht jeden Tag in der Schublade, sondern besorgt sich sowas vielleicht 2-3 Mal im Leben, wenn man auf Jobsuche ist. Andererseits kostet eine Beantragung nur wenige Euro, weshalb ich selbst seit längerer Zeit alle paar Monate einen solchen Nachweis anfordere und den ich dann bei Shootings immer auch immer als Original dabei habe. Im Normalfall sollte dort im unteren Teil „KEINE EINTRAGUNGEN“ stehen. Allerdings muss ich sagen, dass ich sonst keinen Fotografen kenne, der sich diese Mühe macht.

„Kostenlos“ kann ein Trick sein

Es gibt leider Fotografen und Agenturen / Casting-Events, die zwar mit „kostenlosen Fotoshootings“ werben, bei denen es dann aber angeblich notwendig ist, dass sich das Model kostenpflichtig in seine Model-Kartei eintragen und kostenpflichtig eine Sedcard erstellen lässt oder einen kostenpflichtigen Agentur-Vertrag abschließen muss.

Hinweise auf solche Kosten werden leicht übersehen, wenn man sich nur von der Überschrift „kostenloses Fotoshooting“ blenden lässt und das Kleingedruckte irgendwo im Vertrag oder auf der Homepage nicht allzu genau liest. Dann ist es manchmal auch nicht möglich innerhalb kurzer Zeit wieder aus dem Vertrag auszusteigen, so dass man noch lange für seine Leichtgläubigkeit bezahlen darf. Eine vernünftige Agentur verdient ihr Geld dadurch, dass sie die Models erfolgreich vermittelt und sie von der Gage einen gewissen Teil an Provision behält. Bei Agenturen, die sich erfolgsunabhängig schon für das Führen einer Sedcard vom Model selbst bezahlen lassen, darf man zumindest man kritisch unterstellen, dass deutlich weniger Druck vorhanden ist Models tatsächlich erfolgreich zu vermitteln.

Die renommierte Internetseite MIMIKAMA, die sich allgemein mit Betrügereien, Fakes und Unlauteren Angeboten im Internet beschäftigt und aufklärt, hat dazu auch bereits eine Warnmeldung herausgegeben: hier auf mimikama.at nachlesen.

Vorsicht bei „Bewerbungsfotos“

Zu einer Model-Bewerbung gehören natürlich Fotos, anhand derer man deinen Körper möglichst beurteilen kann (was natürlich wesentlich im Interesse eines Fotografen liegt). Dazu reicht ein Foto in eng anliegender Kleidung oder allerhöchstens in Bademode völlig aus.

Nacktbilder sind als Bewerbungsfotos definitiv nicht nötig und falls dich ein Fotograf direkt danach fragt, lass die Finger weg! Höchstens wenn Du dich speziell für ein Akt-Fotoshooting bewirbst, wäre die Aufforderung nach Bewerbungsfotos mit sehr viel Haut nachvollziehbar. In dem Fall solltest Du aber 100% sicher sein, dass der Fotograf wirklich seriös ist, denn mit solchen Fotos kann man dich auch erpressen (siehe zu diesem Thema auch Hinweise auf klicksafe.de)!

Shootings nie ohne Vertrag machen (gerade bei TFP)

Ein schriftlicher Shootingvertrag gehört unbedingt zu jedem seriösen professionellen Shooting dazu – selbst bei einem kostenlosen TFP-Fotoshooting. Für dich ist es wichtig schriftlich zu haben, ob Du die Fotos selbst verwenden darfst, denn der Fotograf ist der Urheber dieser Bilder und hat die entsprechenden Urheberrechte inne (auch wenn Du auf den Fotos zu sehen bist). Außerdem ist es für dich wichtig, dass genau geregelt ist, was der Fotograf mit deinen Fotos so alles machen darf. Alle Absprachen, die dir als Model wichtig sind, sollten auch schriftlich im Vertrag festgehalten werden. Verlasse dich nie auf mündliche Zusagen.

Shooting-Bereiche klar definieren

Du solltest deine Grenzen (insbesondere wieviel Haut Du zeigen willst) vorher klar, deutlich und zweifelsfrei mit dem Fotografen besprechen. Achte dabei darauf, nicht mehr zu versprechen, als Du wirklich bereit bist zu geben. Dies gilt vor allem für ansatzweise freizügige Fotoshootings.

Achte auch darauf, was der Fotograf während des Shootings tut. Versucht er hartnäckig sich über besprochene Grenzen hinwegzusetzen, ist das ganz und gar nicht seriös und hier solltest Du dich auf gar keinen Fall und Druck setzen lassen und wenn dir die Situation unangenehm ist, das Shooting dann auch direkt abbrechen.

Locations und „Lost Places“

Bei einem Indoor-Shooting ist es wichtig zu wissen, um welche Art von Adresse es sich handelt: ist es ein offizielles gewerbliches Fotostudio (also eine Ladenadresse mit Kundenverkehr) oder ist es eine private Wohnung oder ein leerstehendes Gebäude irgendwo in einem verlassenen Gebiet, in dem Du dann mit dem Fotografen allein bist? Falls Du dich an der Location um- oder ausziehen musst, bespreche vorher klar in welchem Rahmen dies dort für dich möglich ist. Hast Du einen eigenen ungestörten Raum dafür oder sollst Du das in Gegenwart des Fotografen tun (das wäre ein No-Go!)?

Natürlich haben verlassene Häuser, Bunker und Industrieruinen optisch ihren besonderen Reiz, aber sie haben unter Umständen auch besondere Gefahren, auf die Du dich einlässt:

  • In vielen Fällen ist das Betreten solcher Liegenschaften verboten und durch Einfriedungen (Zäune) oder Verbotsschilder verdeutlicht. Wenn Du das ignorierst oder ihr euch gar mit Hilfsmitteln Zugang verschafft, kann es sein, dass Du eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch riskierst!
  • Sei dir auch bewusst, dass sich in Lost Places viele Unfallgefahren verstecken: einsturzgefährdete Böden / Decken / Geländer, Faulgase in Kellern und Bunkern, herunterfallende Dachteile, marode Treppen und Aufbauten (…)
  • Auch zwielichtige Menschen (und Gruppen), denen man als Frau wirklich nicht gerne an so verlassenen Orten begegnen möchte, treiben sich oft an Lost Places rum.
  • Überlege auch, was geschieht, wenn Du dort verunfallst … Wer hilft dir dann sachkundig und wer holt Rettung ohne dich alleine zu lassen?

Deshalb sollte ein seriöser Fotograf bloß wegen eines Fotos dich weder der Gefahr einer Strafanzeige aussetzen noch deine Gesundheit riskieren. Das heißt, er sollte nur dort mit dir arbeiten, wo er auch offiziell fotografieren darf oder wofür er auch offiziell eine Erlaubnis eingeholt hat und natürlich auch nur dort, wo es sicher ist.

Informiere deinen Partner / deine Familie

Wenn Du zu einem Shooting fährst, solltest Du deiner Familie auf jeden Fall die Information hinterlassen, wohin und zu wem du fährst und lasse den Fotografen ruhig wissen, dass Du die Daten zu deiner Absicherung auch an deine Familie weitergibst. Das ist nichts, wofür man sich schämen müsste.

Begleitperson

Wenn Du einen Fotografen oder eine Agentur noch nicht persönlich kennst, ist es immer sicherer, eine Begleitperson mitzunehmen insbesondere, wenn das Fotoshooting in privaten Räumen oder außerhalb der Öffentlichkeit stattfindet. Selbst wenn Du vielleicht gar nicht vor hast eine Begleitung mitzubringen, kündige dem Fotografen an eine Begleitperson mitzubringen und prüfe seine Reaktion.

Einem Fotografen, der auch beim allerersten Fotoshooting jegliche Begleitpersonen ablehnt, würde ich definitiv nicht über den Weg trauen! Außerdem sollten Minderjährige immer und ohne Ausnahme bei jedem Fotoshooting begleitet werden.

Leider taugen aber nicht alle Begleitpersonen gleichermaßen für ein Shooting. Partner, die zur Eifersucht neigen, verhalten sich bei einem Shooting oft störend und dann kann es vorkommen, dass der Fotograf ein Shooting auch mal abbricht, wenn sein Model der Begleitperson mehr Aufmerksamkeit widmet als der Kamera des Fotografen.

Deine Fotos werden öffentlich!

Sei dir wirklich bewusst, dass ein Fotograf ein TFP-Shooting mit dir macht, um die daraus entstehenden Fotos zu verwenden und das wird er auch tun, denn das ist für den Fotografen der Zweck und Sinn des Fotoshootings. 

Mach dir deshalb Gedanken über die Konsequenzen in deinem Leben, wenn Fotos von dir in der Öffentlichkeit (Familie, Partner, Freunde, Studien- oder Arbeitskollegen) wahrgenommen werden und stelle dir die Frage, ob Du damit leben kannst. Durch Veröffentlichung von Fotos können auch bei absolut seriös und ordentlich arbeitenden Fotografen für dich als Konsequenzen folgen, die Du selbst zu bedenken und für dich zu bewerten hast bevor Du deinen Entschluss fasst, als Model tätig zu werden.

Der wichtigste Tipp von allen: im Zweifel ablehnen!

Sollten dir anhand meiner Tipps Zweifel kommen, ob Du dich auf die Zusammenarbeit mit einem bestimmten Fotografen einlassen willst, dann rate ich dir das Projekt lieber abzusagen – selbst wenn ich dieser Fotograf sein sollte. Ein Fotoshooting kann toll und aufregend sein, aber es lohnt sich einfach nicht, dass man dafür jedes Risiko gedankenlos in Kauf nimmt. Kein Foto der Welt ist mehr wert als deine körperliche und seelische Unversehrtheit!