Privates

Privates

Ich wurde 1974 in Süddeutschland in der sehr ländlichen Gegend um Stuttgart geboren und verbrachte dort meine Kindheit und Jugend inmitten des Spannungsfeldes aus absolut behüteter schwäbisch-kleindörflicher Idylle mit unbeschwerten sonnendurchfluteten Sommern in der schönsten Natur und auf der anderen Seite den in unmittelbarer Nähe stationierten US-Amerikanischen „Pershing II“ Atomraketen. Noch in der Grundschule wurde uns Kindern dazu beigebracht, wie beglückt wir wären, denn wir würden im Falle eines atomaren Weltkrieges aufgrund der Nähe zu diesem Stützpunkt im Bruchteil einer Sekunde verdampfen und nicht nach wochenlangem Siechtum der Strahlenkrankheit erliegen. Ich glaube, heute würde man Kinder etwas bedachter mit diesem Thema konfrontieren als damals…

Da der atomare Weltkrieg auf sich warten lies, hatte ich nach dem Ende meiner Schulzeit wider Erwarten doch noch Gelegenheit eine Ausbildung zum Bankkaufmann zu absolvieren und tat danach nicht ohne Begeisterung Dienst bei der Armee (genauer gesagt bei der Militärpolizei, ganz ohne Atomwaffen) und wäre eigentlich gerne noch länger dort geblieben, habe mich aber dann dagegen entschieden (aus den falschen Gründen, wie sich später herausstellte und was ich auch wirklich lange Zeit bereut habe). Da die Bundesrepublik, der treu zu dienen ich gelobt habe, offensichtlich auch gut ohne meine Dienste auskam und ich dem Wesen der Finanzbranche allgemein (und den Wesen in der Finanzbranche im Besonderen) auch nicht mehr viel abgewinnen konnte, arbeitete nach meiner Dienstzeit einige Jahre in der IT-Branche. 2006 zog ich nach einer längeren Fernbeziehungsphase schließlich der Liebe wegen nach NRW. Allerdings hat sich diese Beziehung nach einigen sehr glücklichen Jahren vor langer Zeit schon in Freundschaft aufgelöst. Dennoch fühle ich mich in NRW richtig wohl und auch zuhause – abgesehen vom eklatanten Mangel an wirklich vernünftigen Laugenbackwaren, denn davon hat man hier offensichtlich echt keine Ahnung.

Ich bin der Mitbewohner meiner Katze Paula und im Gegensatz zu meiner Katze, die Fressen, Schlafen, Spielen und gestreichelt werden offensichtlich für einen vollkommen ausreichenden Lebensentwurf hält, habe ich natürlich einen Beruf (Führungskraft in der Ersatzteil-Logistik), der mir dank einer tollen Abteilung, die ich leiten darf, seit Jahren auch großen Spaß macht. Nach einer gewissen Zeit in der ich zudem auch noch als kommerzieller Fotograf unterwegs war, fotografiere ich jetzt nur noch nicht-kommerziell (also kostenlos und rein zur künstlerischen Freude). Ich bin daher auch nicht mehr als bezahlter Fotograf buchbar.

Abseits der Fotografie interessiere ich mich allgemein für Geschichte, Gesellschaftsthemen und das Weltgeschehen. Ich glaube, dass der Mensch als vernunft- und empathiebegabtes Wesen eine besondere Verantwortung für alle anderen Lebewesen auf diesem Planeten hat und daher ernähre mich fleischlos, bin darin aber nicht militant, soll heißen: ich respektiere es, wenn andere das anders sehen, weil ich die allermeiste Zeit in meinem Leben genauso war und mich die Umgewöhnung auch viel Mühe gekostet und einiges an Selbst-Sensibilisierung notwendig war. Mit Männern komme ich aufgrund persönlicher Erfahrungen auf privater Ebene selten zurecht und ich bin vermutlich auch nicht wirklich gut darin Freundschaften zu pflegen. Das ist auch immer eine gute Ausrede mich vor dem Sport zu drücken, weil es allein ja bekanntlich keinen Spaß macht. Materialismus kann ich nicht ausstehen und ich habe eine mit dem Alter stark zunehmende soziale Weltsicht. Ich liebe es Filme zu schauen, aber da ich vor allem traurige Filme möglichst ohne Happy End mag, schaut meistens niemand mit mir mit. Als eines der größten Geschenke, die mir in diesem Leben mitgegeben wurden, betrachte ich mein breites Musikverständnis, weshalb ich mich für eines gutes Melodic Techno Live Set ebenso begeistern kann wie für eine hervorragend aufgeführte Beethoven-Sinfonie oder für fernöstlich-spirituelle Musik.

Das Foto am Anfang dieses Artikels gehört übrigens zu den frühesten Aufnahmen mit mir und zeigt meinen Vater und mich (ich bin der mit der Mütze) in einem Fotoautomaten. Ich habe mich offensichtlich mehr dafür interessiert, wohin die 2 Mark im Schlitz des Fotoautomaten verschwunden sind, anstatt in die Kameralinse zu schauen. Heute deute ich das so, dass damals schon klar war, dass ich es wohl irgendwie nicht einsehen werde, wieso die Fotografie in meinem Leben eine finanzielle Rolle spielen soll (Stichwort: meine kostenlose Fotografie).

Mein liebster Sinnspruch ist übrigens:

Bedenke stets, dass alles vergänglich ist;
dann wirst du im Glück nicht zu fröhlich
und im Leid nicht zu traurig sein.

Sokrates